↓
Claude Cowork — Vergiss Prompting. Lern Kontext
Moin liebe Leser:innen,
TLDR: Claude Cowork ist nicht besser weil es mehr kann. Es ist besser weil du aufhörst zu promten — und anfängst, Kontext zu geben. Drei Textdateien über dein Business schlagen 50 perfekt formulierte Prompts. Dieser Newsletter zeigt dir genau wie das aufgebaut ist — Schritt für Schritt.
Claude und sogar der Wechsel von Chat GPT ist in meiner KI-Blase derzeit das Thema Nr.1.
Deshalb habe ich letzte Woche drei verschiedene Leute gefragt wie sie Claude nutzen.
Alle drei haben dasselbe gesagt: "Ich versuche gerade bessere Prompts zu schreiben."
Das ist das falsche Spiel.
Nicht weil Prompts unwichtig wären. Sondern weil bei Claude Cowork ein guter Prompt 10 Wörter lang ist — wenn du vorher die richtige Grundlage gebaut hast.
Kurze Einordnung: Wo wir in der Serie stehen
Letzte Woche haben wir uns angeschaut warum Claude im Browser-Tab und Claude Desktop zwei verschiedene Arbeitsgefühle sind. Startzeit, RAM, Session-Stabilität — konkrete Unterschiede die im Alltag spürbar sind.
Diese Woche gehen wir einen Schritt weiter: Claude Cowork.
Cowork ist der dritte Tab in der Claude Desktop App. Nicht Chat. Nicht Code. Cowork.
Und der Unterschied zu Claude Chat ist nicht das Modell. Es ist eine einzige Sache:
Claude Cowork liest Dateien. Claude Chat vergisst nach jedem Gespräch.
Das klingt wie ein technisches Detail. Es ist ein fundamentaler Unterschied in der Arbeitsweise.
Das eigentliche Spiel heißt nicht Prompting
ChatGPT hat uns trainiert, bessere Prompts zu schreiben. Längere Prompts. Präzisere Prompts. Prompt-Kurse für 297 Euro.
Claude Cowork dreht dieses Spiel um.
Du gibst Claude einmal Kontext — über dich, deine Ziele, deine Sprache, deine Kunden. In Form von Textdateien. In einem Ordner auf deinem Computer.
Danach kann dein Prompt 10 Wörter lang sein. Der Output klingt trotzdem wie du.
Das Prinzip: Je mehr Kontext in deinem Ordner liegt, desto weniger musst du jedes Mal erklären.
Drei Dateien. Das reicht.
Du brauchst keinen perfekten Ordner. Du brauchst drei Dateien um anzufangen.
Datei 1: about-me.md
Wer du bist. Was du machst. Für wen. Was dir gerade wichtig ist. Nicht als LinkedIn-Profil. Als ehrlicher Überblick den ein neuer Mitarbeiter am ersten Tag lesen würde.
So könnte meins aussehen:
Das ist keine Strategie-Präsentation. Das ist ein Kontext-Dokument. Claude liest es bevor jede Session startet — und weiß sofort wer du bist.
Datei 2: tone-guide.md
Wie du kommunizierst. Was du nicht schreibst. Deine Verbote.
In meinem Fall:
- Kein Denglisch (nicht "du switchst", sondern "du wechselst")
- Keine Hype-Sprache ("Game-changer", "Revolutionary")
- Keine fiktiven Dialoge ("Ich traf einen Gründer der sagte...")
- Keine langen verschachtelten Sätze
- Immer konkrete Zahlen statt vage Aussagen
Das klingt kleinlich. Aber der Unterschied im Output ist massiv. Ohne diese Datei klingt Claude wie alle anderen. Mit ihr klingt es wie du.
Datei 3: Ein Beispiel das funktioniert hat
Ein LinkedIn-Post der gut performed hat. Ein Newsletter-Abschnitt der oft geteilt wurde. Irgendetwas wo du denkst: "So soll es klingen."
Einfach reinkopieren. Claude analysiert das Muster — und reproduziert es.
Schritt 3: Global Instructions — einmal einrichten, nie wieder tippen
Das ist der Schritt den die meisten überspringen. Und der den größten Unterschied macht.
In den Claude Cowork Einstellungen gibt es ein Feld: Global Instructions.
Was das ist: Ein Verhaltensrahmen den Claude bei jeder Session liest — bevor es mit dir redet. Nicht eine Prompt-Vorlage. Eine dauerhafte Anweisung.
Du richtest es einmal ein. Dann läuft es für immer.
Hier ist meine Version — du kannst sie direkt verwenden und anpassen:
Claude fragt dich. Nicht umgekehrt.
Jetzt kommt das Feature das kaum jemand erklärt — obwohl es das Spiel am stärksten verändert.
Claude Cowork hat ein Tool eingebaut das sich AskUserQuestion nennt.
Normalerweise: Du schreibst den Prompt. Claude antwortet.
Mit AskUserQuestion: Claude stellt zuerst Fragen. Klickbare Antworten. Auswahloptionen. Mehrfachauswahl. Du klickst durch in 60 Sekunden — und Claude versteht was du wirklich brauchst. Erst dann fängt es an.
Das klingt wie ein kleines Feature. In der Praxis bedeutet es:
— Kein langes Briefing mehr eintippen — Kein "das habe ich nicht gemeint" nach dem ersten Entwurf — Claude deckt Lücken auf die du selbst nicht gesehen hast
Das ist die Umkehrung des Workflows. Claude promtet dich. Nicht umgekehrt.
Und du aktivierst es mit einem einzigen Satz am Ende deines Prompts:
Ein echter Durchlauf — wie das in der Praxis aussieht
Hier ist wie ich diese Woche eine LinkedIn-Outreach-Nachricht erstellt habe.
Mein Prompt (20 Wörter):
Was Claude gefragt hat:
- Wo in der Outreach-Sequenz bist du gerade? (Erste Kontaktaufnahme / Nach Verbindung / Follow-up)
- Gibt es einen konkreten Anlass? (Zuletzt gepostet / Stellenausschreibung / Event)
- Welches Ziel hat die Nachricht? (Antwort provozieren / Call buchen / Ressource teilen)
- Ton: eher direkt oder eher locker?
Ich habe geklickt. 45 Sekunden.
Was rausgekommen ist:
Eine Nachricht die zu meinem Ton gepasst hat, den richtigen Aufhänger hatte, und keine "Ich wollte mich kurz vorstellen"-Einleitung enthielt.
Ich habe zwei Wörter geändert. Fertig.
Das ist kein Einzelfall. Das ist der Standard wenn der Ordner vorbereitet ist.
Der Master-Prompt den ich für fast alles nutze
Ich habe einen Standard-Prompt den ich für 80% meiner Aufgaben verwende. Auf meinem Mac als Text-Kürzel hinterlegt — ich tippe /p und er erscheint vollständig.
Das ist alles. Keine 200-Wörter-Prompts mehr.
Der Ordner macht die Arbeit. Der Prompt gibt nur die Richtung.
Was es nicht kann — und was das für dich bedeutet
Ich schreibe das bewusst rein. Weil ehrliche Einschätzung mehr wert ist als Begeisterung.
Cowork braucht die Desktop App — offen, aktiv, eingeloggt. Kein Browser. Kein Handy. Wenn der Mac zu ist, arbeitet Cowork nicht. Das ist kein Bug. Das ist die Architektur.
Es verbraucht dein Nutzungskontingent schnell. Eine intensive Cowork-Session kann so viel verbrauchen wie ein ganzer Tag normaler Chat-Nutzung. Wer täglich damit arbeitet merkt das nach einer Woche auf dem Pro-Plan (20 €/Monat). Der Max-Plan (100 €/Monat) ist dann die ehrlichere Option.
Es ist kein Tool für schnelle Fragen. "Was ist die Hauptstadt von Frankreich?" — dafür ist Chat da. Cowork ist für Aufgaben mit mehreren Schritten. Nicht für Trivia.
Es macht Fehler. Wenn der Ordner schlecht strukturiert ist oder die Anweisungen unklar — produziert Cowork genauso schlechte Outputs wie jedes andere Tool. Garbage in, garbage out. Das liegt nicht an Claude. Das liegt an der Vorbereitung.
Wie du heute anfängst
Du brauchst keine perfekte Einrichtung. Du brauchst einen funktionierenden Anfang.
- Claude Desktop installieren — claude.com/download
- Pro-Account einrichten (20 €/Monat) oder bestehenden nutzen
- Einen Ordner anlegen:
Claude-Cowork/ mit zwei Unterordnern: KONTEXT/ und OUTPUTS/
- Erste Datei erstellen:
about-me.md — 10 Sätze über dich, dein Business, deine Zielkunden
- Global Instructions eintragen (Vorlage oben verwenden)
- Ersten Prompt schreiben: "Lies meinen Ordner. Dann nutz AskUserQuestion für [deine Aufgabe]."
Das reicht für die ersten drei Sessions. Den Rest merkst du beim Nutzen.
Falls du das nicht alleine aufbauen willst
Ich biete ein kostenloses 15-Minuten-Erstgespräch an.
Kein Pitch. Keine Präsentation. Wir schauen gemeinsam auf dein Setup, deine Prozesse und ich sage dir ehrlich was sich lohnt — und was nicht.
→ https://cal.com/bitsandbrains/15min
P.S.
Nächste Woche: Claude Code — der vierte und letzte Teil der Serie. Das ist das Tool das Entwicklern gehört. Ich erkläre warum es trotzdem für dich relevant ist — und für wen es sich wirklich lohnt.
P.P.S.
Am Mittwoch erscheint auf meinem LinkedIn-Profil die Cowork-Infografik — alles aus diesem Newsletter auf einer Seite zusammengefasst. Wer mir dort folgt, verpasst sie nicht.
Beste Grüße
André